Mit Zaubersalz klappt alles besser

Quelle: echo-online.de (23.08.2011, Autorin: Petra Neumann-Prystaj, Foto: Claus Völker)

Illusionen: Zauberschlacht-Gewinner Daniel Schirner alias Maximus hat 500 Kunststücke in seinem Repertoire – Alle Accessoires finden Platz in einem normalen Anzug

Beim Umdrehen quietscht der beste Zaubersalzstreuer der Welt wie ein Badeentchen, worauf das Publikum sofort mit Gelächter reagiert. Daniel Schirner (32) hat ihn vor 20 Jahren in der Pfalz, in einem Geschäft für Zaubereiartikel, erstanden, und seitdem ist der Salzstreuer sein treuer Berufsbegleiter. Nirgendwo hat er ein vergleichbar einfaches und doch so wirkungsvolles Exemplar gefunden. Einige Zuschauer wollten ihm das Wunderding schon abkaufen, doch dafür hat Schirner nur ein bedauerndes Lächeln übrig.
Zum Zaubertermin erscheint er mit einem aufklappbaren Gestell. Er ist nämlich mit Vorliebe Tischzauberer und tritt meistens bei privaten Veranstaltungen auf. Da man ihm von allen Seiten auf die Finger sehen kann, muss er besonders gut mit Worten ablenken können. Gern mimt er den Unsicheren, murmelt “das scheint nicht zu funktionieren”, und bekommt um so mehr Applaus, wenn es dann doch wie am Schnürchen klappt – woran er nie zweifelte.

Schirner scharrt seine Zuschauer gern um sich und legt Wert auf möglichst wenig Distanz. So kann er sich besser auf ihre Reaktionen einstellen und sich freuen, wenn bei ihnen “das innere Kind herauskommt”.
Maximus, der Größte, nennt sich der Betriebswirt mit der magischen Begabung, ein Name, den ihm seine Großmutter verpasst hat. Keineswegs aus Größenwahn: Er ist nun mal der Längste unter seinen Geschwistern. Und der Älteste.
Die Accessoires für ein einstündiges Programm kann der Tischzauberer leicht in einem normalen Anzug unterbringen. Sein Markenzeichen sind unaufwendige, aber amüsante Tricks. Er lässt Zitronen aus einem leeren Becher wachsen und rote Knautschbälle aus den Fäusten der Zuschauer verschwinden. Tierfreunde können sich entspannen – sein Kaninchen besteht aus rosa Schaumstoff.
Maximus' ruhige Gelassenheit steht im Gegensatz zu den kaum nachvollziehbar schnellen Handbewegungen. Seine Finger trainiert er, seit er dreizehn ist, und er hat es inzwischen auf die staatliche Zahl von etwa 500 Tricks gebracht.
Als Kinder und Jugendliche von Harry Potter noch nicht genug bekommen konnten, gab Schirner in Jugendhäusern Zauberkurse. Das erlebnispädagogische Sonderprogramm sollte zur Stärkung ihres Selbstbewusstseins beitragen.
Eine Weile hat er versucht, von seiner Kunst zu leben. Weil das aber “doch etwas schwierig” sei, ist er nun Ausbilder im Berufsbildungswerk und unterrichtet Jugendliche in Rechnungswesen. Den trockenen Stoff würzt er mit Zaubersalz.
Illusionskünstler kommen viel in der Welt herum. Drei Monate verbrachte Maximus in Südostasien, ein halbes Jahr lebte er in Neuseeland und wurde für Firmenfeiern, Jubiläen und von Restaurants engagiert. Nicht alle Zuschauer waren des Deutschen oder Englischen mächtig, aber Zaubern funktioniert sogar mit Pantomime.

In Neuseeland lernte Schirner auf einem Zauberkongress, bei dem Requisiten gekauft und Tricks ausgetauscht werden, die “Brotherhood of Magicians” kennen. Konkurrenzneid gibt es bei dieser Brüderschaft nicht, was der Darmstädter folgendermaßen begründet: “Jeder hat seinen eigenen Stil. Man wird nicht erfolgreich, wenn man andere nur kopiert. Es muss zur eigenen Rolle passen”.
Das Mekka der Zauberkunst ist Amerika, im Speziellen das Clubhaus “Magic Castle “ in Los Angeles. Daran orientieren sich alle, die mit Simsalabim ihr Brot verdienen. Bis Amerika, bedauert Schirner, habe er es noch nicht geschafft. Aber er ist ja noch jung.
Neue Tricks übt er vor dem Spiegel ein. Er sieht sich dabei nicht auf die Hände, sondern nur in die Augen. Dann testet er die Wirkung der Kunststücke in einem Café oder an einer Bartheke. Das kritischste Publikum, sagt er, seien die Zauberer. Wenn er vor Berufskollegen stehe, habe er schweißnasse Hände. “Die kennen alles und sehen ganz genau hin”. Doch ohne ihre konstruktive Kritik gäbe es keine Verbesserungen.
Bei der ersten Darmstädter Zauberschlacht hat Daniel Schirner sein Publikum im Haus der Burschenschaft Rugia in der Wienerstraße von seinem Können überzeugt. Dreißig Minuten wurden ihm und seine Konkurrenten für ihre Vorführung zugestanden, dann vergaben die Gäste ihre Stimmen in Form von Zauberstäben. Und der glückliche Gewinner hieß: Maximus.

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